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| eine erzählung |
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> Ich wünschte mir ein Haus am Meer, an einem Ort, an dem die Sonne scheint und in dem, wenn es regnet und die Wolken dunkle Dächer bilden, Schutz und Ruhe herrschen. Vor dem Fenster des Hauses sind Blumen aufgestellt, gepflanzt in bunten, selbst gebastelten Blumenkästen aus alten Marmeladetöpfen. Das Meer ist nicht weit entfernt, aber weit genug, um es nicht zu sehen. Die bloße Gewissheit, dass es in der Nähe ist, reichte aus, um mich zu entspannen. Meeresluft und Ruhe strömten durch alle Räume. Trevor war der Dekorateur des Hauses. Er machte nicht viel, aber in den wenigen Dingen, die er richtete, lag sein Augenmerk stets auf der schönen Form der weiblichen Seele, der traurigen Einsamkeit der Objekte. Unser Haus hatte nur wenige Zimmer. Küche, Bad, ein Wohnzimmer mit Kamin, zwei Schlafzimmer, auf zwei Stockwerken verteilt. Eine freistehende Treppe führte in die obere Etage und von dort aufs Dach. Es könnte irgendwo auf dem Land in Südengland sein, in der Nachbarschaft ein einziger Turm, der einst über vorbeifahrende Schiffe wachte. Würde ich mich auf das Dach begeben und die Straße entlang sehen, wären ein paar Gärten und Wege zu erkennen, die in exakten Bemessungen die Häuser der Nachbarn voneinander trennen, Pfade mit rhythmischen Abzweigungen, die ergeben zu den Eingangstüren tanzen. Die Autos, die aus ein paar Metern Entfernung die Adern dieses Körpers streifen, sehen aus wie Rechtecke, manchmal wie Kugeln, die Farbtupfer in das Dunkelrotgrün der Fläche bringen. Alles insgesamt war, mit Bedacht ausgedrückt, schön anzusehen. Der Trubel einiger weniger lärmender Autos, spielender Kinder und schimpfender Mütter drang durch den typischen Leichtbau englischer Wände. An manchen Tagen trugen wir die Picknickkörbe hinauf aufs Dach und frühstückten. Es waren die zwei Körbe, die Trevors Mutter und Schwester uns an ein und demselben Tag geschenkt hatten, zu seinem Geburtstag vor zwei Jahren. Jeder Korb für sich war zu klein, um all das Zeug darin zu verstauen, das man für ein ordentliches Frühstück auf dem Dach brauchte, ohne dauernd wieder in die Küche rennen zu müssen. Trevor lief schnell, verbreitete jedoch keine Eile, er streifte mit seinem Blick durch den Raum, schwenkte den Kopf rechts zur Treppe, als suche er nach etwas bestimmten. In der Küche angekommen, durchwühlte er zumeist die Schublade mit dem Besteckkasten, da es sich oft nur um ein Messer oder einen Löffel handelte, welches wir fürs Frühstück vergessen hatten. Dies waren die wenigen Momente, in denen man die Trennung kaum ertrug, obwohl sie so schlimm in Wirklichkeit nicht war. Ich sah vom Dach aus hinunter und dachte, ich würde in die Küche sehen, mit der fein gemusterten Blumentapete und den gelbbraunen Kacheln, sah wieder auf, schaute auf die umliegenden Dächer, die Adern der Straßen, auf die Pfützen in den Straßenrinnen. Während ich an Trevor dachte, meinte ich zu wissen, dass er an der Wand rechts von der Spüle stand, an der sich die Küchenkacheln kurzweilig in ein hellblau oder blaugrau verwandelten. Unser Vormieter hatte sie dort angebracht, nachdem sich vermutlich ein paar gelbbraune Kacheln aus den Fugen gelöst hatten und auf den Boden fielen. Außer uns wohnte eine Katze im Haus. Wir gaben ihr den Namen Cat, sie war ein elegantes Tier, mit braunem Fell und feinen, langen Gliedmaßen. Sie lag meistens faul auf der Fensterbank oder auf der Kommode im Wohnzimmer und döste vor sich hin. Nachts jedoch, wenn die halbe Welt schlief, wurde sie so munter, dass wir sie nicht im Haus behalten konnten. Sie miaute unentwegt und kratzte an der Tür, bis einer von uns beiden aufstand und sie raus in den Garten ließ. Was sie genau tat, wussten wir nicht, aber sie hatte einen untrüglichen Instinkt für den Futterhort fremder Katzen. Ihre Streifzüge endeten jeden Morgen bei Mrs. Robin, der alten Dame aus dem Haus nebenan. Mrs. Robin wartete stets mit einer Tasse Tee auf uns. Sie war eine freundliche, ältere Dame und wie es zum Klischee passte, verwitwet. Sie kannte Trevor schon recht lang und mochte ihn sehr gern. „Wie geht’s Mrs. Robin?“ „Gut Kinder!“ „Was gibt’s denn Mrs. Robin?“ Trevor stellte jeden Morgen dieselbe Frage, auch wenn der Grund unseres Besuchs immer der gleiche war. „Nun, Cat hat sich wieder einmal am Futter von Lila vergriffen!“ Mrs. Robin sagte es mit Nachdruck, war Trevor aber nicht böse, es gehörte zu unserer nachbarschaftlichen Zeremonie dazu. „Ich dachte noch während meines Einkaufs, ob es sich wohl lohnt Lila etwas vom Metzger James mitzubringen!?“ „Was hat sie denn gefressen?“ „Nun, Hühnerherzen und ein paar Innereien.“ Trevor ging zu Cat, die neben Lila, der Katze von Mrs. Robin, auf dem Sofa lag, packte sie an den Hinterpfoten und hob sie in die Luft, so dass sie mit dem Kopf nach unten baumelte. „Wo ist dein Zuhause, hm?!“ Mrs. Robin lächelte. „Ach Trevor, Junge, es ist doch nicht so, dass mir das was ausmachen würde! Das arme Kätzchen!“ Trevor ließ Cat zurück aufs Sofa gleiten. Die sprang auf und verzog sich aus seinem Blickfeld. „Ich hatte das Futter im Kühlschrank aufbewahrt, es ist mir ein Rätsel wie sie den aufbekommen hat!“ „Haben sie vielleicht ein Schloss?“ Mrs. Robin schaute verwundert zu Trevor auf, der sie um etwa einen halben Kopf überragte. „War nur ein Spaß“, sagte der und grinste. Er bot ihr an, neues Futter zu kaufen, sobald Mr. James, der Metzger seinen Laden öffnen würde. „Lass mal gut sein, es ist ja nicht so, dass ich dafür viel Geld bezahlt hätte!“ „Aber ich mache es wirklich gern“, betonte Trevor. Mrs. Robin stellte ihre Teetasse ab. Wir schauten zum Fenster, draußen gingen die ersten Schulkinder den Bürgersteig entlang. Ein kleines Mädchen, die Tochter von Mrs. Hoover, stupste ihre Freundin Clara, die Tochter von Mrs. Smith an, dann gingen sie weiter. Wir stellten unsere Tassen ebenfalls ab und begaben uns zur Tür. „Vielleicht will Cat uns sagen, dass sie sich hier bei mir sehr wohl fühlt?“, fragte Mrs. Robin. „Ganz bestimmt sogar! Wir sollten sie mitnehmen, bevor sie sich zu sehr an ihre Gastfreundschaft gewöhnt.“ Trevor ging zurück zum Sofa und versuchte Cat erneut zu packen, die sprang jedoch auf und weg war sie. Der Metzger in unserer Nachbarschaft, Mr. James, ein Mann im Alter von Mrs. Robin, gab Mrs. Robin regelmäßig Leckereien für Lila mit. Man sah ihn dabei durch das kleine Schaufenster seiner Metzgerei mit Mrs. Robin flirten. Gleich nebenan hatte sein Bruder, der zweite Mr. James, sein Herrenbekleidungsgeschäft. Auf beiden Schaufenstern prangte der Name „James“ in altmodischer Schrift. Metzgerei James - Herrenausstatter James. Mrs. Robin sah man jeden Tag beim Metzger James! Nun, was sollte sie, als Witwe beim Herrenausstatter James machen? Die Brüder James waren ziemlich weißhäutig und sehr dick, aber Mr. James, der Metzger hatte ein paar fleckige Sommersprossen im Gesicht und ein gewinnend breites Grinsen, was ihn von seinem Bruder dem Herrenausstatter James unterschied, der etwas schüchterner war. „Was denkst du?“, fragte ich, als Trevor die Treppen wieder hinauf kam. Er räumte noch einen Stapel alter Zeitungen von links nach rechts, da er immer irgendetwas tun musste, das so aussah, als wäre es nützlich. „Was?“ „Was du denkst?“ „Ich denke das gleiche wie du! Lass uns frühstücken.“ „Aber was denkst du wirklich?“ „Ich denke, Mrs. Robin ist in Mr. James verliebt, Cat erweist ihr einen Gefallen!“ „Hast du gesehen, wie sie ihre Teetasse abstellte, als sie dir ausreden wollte, neues Futter für Lila zu kaufen?“ Trevor stieg aufs Dach. „Klar! Sie sah so aus, als wollte sie gleich rüber rennen. Zu doof aber auch, dass Mr. James erst um neun öffnet!“ „Jetzt, während der Sommerzeit, ist es so stickig im Schlafzimmer von Mrs. Robin, dass sie vor der Frage steht, ob sie lieber ersticken oder dulden soll, dass ein fremdes Tier ihr Haus durchwühlt!“, lachte ich. „In diesen schweren Stunden fehlt ihr wahrscheinlich Mr. James!“ „Aber Mr. James ist verheiratet.“ „Ist er!“ „Ist er!“ „Lass uns jetzt frühstücken. Ich muss um zehn schon wieder weg.“ Wir packten den Korb aus. „Es tut mir leid, dass wir über die freundliche Mrs. Robin so dämlich daher geredet haben!“ Mich plagte ein schlechtes Gewissen. „Das haben wir doch gar nicht“, sagte Trevor. „Ich werde ihr gleich morgen anbieten, ihren Rasen zu mähen! Es tut mir wirklich leid.“ „Es gibt nichts, was Dir Leid tun müsste, sie ist dir nicht böse. Sie hat Humor.“ „Aber es tut mir…“ „Schon gut!“ Trevor schob mir ein Glas Milch in die Hand und hielt sie mit beiden Händen fest. | ||